Text for the exhibition at Dinzlschloss Villach, 2018
Regina Hübner
by
Claudia Schauß
Regina Hübner wuchs Mitte der 1960er Jahre in Villach (A) auf. Die Natur, Freiheit und unbegrenzt Zeit zu haben waren die wichtigsten Komponenten ihrer Kindheit. Bereits in jungen Jahren lernte Sie Otto Eder im Steinbruch von Krastal kennen, der ihr Interesse für die Bildhauerei weckte und mit dem sie eine lange Freundschaft verband. Ihre kunstaffinen Eltern förderten schon früh das künstlerische Talent ihrer Tochter und ermöglichten ihr eine Ausbildung in Graphic-Design an der Höheren Abteilung für Kunst und Design, Ortweinschule in Graz. Nach der Teilnahme an einem Steinbildhauersymposium in St. Margarethen (A), bei dem sie ihr großes Talent im Bearbeiten des Steins entdeckte, zog es sie in die Steinbrüche von Carrara (I). Anstelle am Stein zu arbeiten, wie es die anderen Künstler praktizierten, malte Regina, die bereits in ihrer Schulzeit als Rebellin galt, mit Pinsel und Farbe ein Bild um das andere. Als ihr Carrara nach einem Jahr zu eng und zu leise wurde, entschloss sie sich für ein Kunststudium an der Akademie der schönen Künste in Rom, wo sie bis heute ihren Lebensmittelpunkt gefunden hat. Dennoch zieht es die Künstlerin, die in den vergangenen Jahren internationale Anerkennung erfahren hat, immer wieder zurück in ihre Heimatstadt. Die Ausstellung in Villach zeigt retrospektiv einen Querschnitt ihres filmischen Schaffens seit 1999, welches formal durch Verlangsamung, Umkehrung und Spiegelung geprägt ist. Die Künstlerin reiht sich hier mit ihren Werken in eine Tradition der zeitgenössischen Videokunst ein, die in ihrer Qualität ohne weiteres mit Arbeiten eines Douglas Gordon, einer Pipilotti Rist und eines David Claerbouts vergleichbar sind.
Ihre Videos wurden nicht nur in namhaften Häusern, wie dem Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe (2017), im Museum Moderner Kunst Kärnten (2016) und im Museum Zeitgenössischer Kunst der Universität Rom ausgestellt, sondern waren ebenso bei der Nuit Blanche Paris (2018), der EXPO in Mailand (2015), in den USA und auf Festivals wie FIAV Casablanca, WAC Bordeaux oder Friuli Venezia Giulia Fotografia in Udine vertreten. 2019 wird sie als Guest Researcher am Forschungsinstitut IMéRA in Marseille und in einer Einzelausstellung auf dem internationalen Festival VIDEOFORMES in Clermont-Ferrand zu sehen sein.
Seit Beginn der 1990er Jahre entwickelt Regina Hübner ein filmisches Œuvre welches beinah methodisch mit den Themen Menschen, Beziehungen, Kommunikation sowie mit Zeit und Raum in Verbindung steht. Der Klang der Natur, ausgewählte Musik aber auch die Stille sind Elemente ihrer Arbeit. Für die Umsetzung nutzt sie moderne Techniken ebenso wie manuelle und traditionelle. Intuitiv und abhängig von Lebenserfahrungen entstehen Werkzyklen denen Konzepte zugrunde liegen und die über einen längeren Zeitraum von der Künstlerin verfolgt werden. Der Experimentalfilm ist in erster Linie ihr Metier, ihr Zugang ein sehr persönlicher. Für viele ihrer Arbeiten ist die Verwendung des Originaltons bei der Aufnahme charakteristisch. Er verleiht ihren Werken etwas Reelles in den zumeist fingiert wirkenden Darstellungen. Speziell muss es bei ihr sein. Der Betrachter ihrer Filme darf sich durchaus über die Entstehungsweise ihrer ästhetisch anspruchsvollen Ergebnisse Gedanken machen. Faszinierend an Hübners Filmen ist die Langsamkeit mit ihren häufig minimalen Veränderungen, die für das Auge oft schwer sichtbar sind und erst in der Summe des ganzen Filmes erfasst werden können. Deshalb ist es beinahe eine Verpflichtung die Filme von Anfang bis zum Ende zu betrachten. Menschen, Hände, Vergängliches und einzelne Gegenstände unterzieht die Künstlerin einem regelrechten Prozess des Bewegens durch Verfremdung, Zeitverzögerung oder Beschleunigung, sowie durch Rückwärtsprojektionen. Inhaltlich geht es in ihren Werken um Kommunikation und Beziehungen des Menschen zu sich, seiner Umgebung und zur Natur.
Claudia Schauß, Curator, Department of Culture, The City of Villach, Austria, 2018.
Text published by The City of Villach on the occasion of Regina Hübner - me and you – May I tell you something personal? Dinzlschloss, Villach, Austria, October 2018 – January 2019, a Solo-Exhibition with anthological part and site-specific new ambientation with vieoworks, photoworks, objects, environment, performative act and artist’s talk. Curated by The City of Villach, Department of Culture. Texts by curator Claudia Schauß, art historian Elisabeth Gülli, Regina Hübner.