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Domenico Scudero

 

Proceeding # 5

1. In „Identifikation einer Frau“ von Antonioni war einer der Augenblicke größter Wahrnehmungsintensität durch die von feuchten Nebeln, die die Laune des Hauptdarstellers reflektierten, getrübte Landschaft symbolisiert. Der Ort des Verstehens ist tatsächlich nicht der des wolkenlosen, farbig leuchtenden Himmels, da sich im Glanz der Widerschein des Lichts verbirgt, die Ursache selbst der Luftspiegelung. Im Unterschied dazu spiegelt das Licht, das den Nebel filtert, nur sich selbst in seiner unbeweglichen Intensität wider, wie ein flashback des Gedächtnisses; der Nebel ist auch Fehlen an Bewegung, die Parzellierung der Luft, der die Bewegung entzogen wurde. In den neuesten Arbeiten von Regina Hübner nimmt das Thema der Identifikation, wie im Nebel, eine absolute Verlangsamung an. Wenn der Nebel den von einem Autoscheinwerfer projizierten Lichtkegel reflektiert, aufgrund dessen man durch die gleiche eigene Helligkeit geblendet wird, sind die Bilder der für den Zyklus Anonymus dedicated to Vally erstellten Portraits wie diese Strahlenbündel im Nebel, für die Lichtquelle selbst blendend. Der, der sich portraitiert findet, sieht nicht sich selbst in der fotografischen, objektiven Aufnahme des digitalen Objektivs, sondern bleibt geblendet von der Emphase dessen, was in seinem Wesen selbst ist und was man nie sagen wollte oder vermochte. Die blendende Wahrheit der gefilmten Portraits ist nicht die Sicherheit einer physiognomischen Übereinstimmung, sondern das Überschreiten jener Beständigkeit, die die Bewegung der Geste - im Charakter der einzelnen Persönlichkeiten - der Physiognomie aufdrückt, die eigene, geheimnisvollste Persönlichkeit. Das Interesse dieses Arbeitszyklus ist vielfältig. Einerseits erinnert er uns daran, wie die fotografische Beständigkeit die visuelle Wahrnehmung von ansonsten für das Auge unbekannten Details erlaubt hat; es genügt, sich an die Bewegung von galoppierenden Pferden zu erinnern, die bis zu den ersten fotografischen Aufnahmen in der Schnelligkeit der Bewegung verborgen blieb. Andererseits zeigt er uns, wie das Bild, außer Ort des unmittelbarsten Bedeutens, auch ein unserer Wahrnehmung noch unbekanntes Universum ist.

2. Das tiefe existentialistische Gefühl von Anonymus dedicated to Vally entsteht aus seiner absoluten körperlichen Dimension, durch die man die gegenständliche Ordnung der in der Geste materialisierten persönlichen Bekanntschaften entwirren muss. Das kontinuierliche Sich-Ausdehnen in der Zeit, der Form des Körpers, führt unabwendbar zu einer Entfremdung, geblendet von der Idee des Selbst, dem es nicht gelingt, sich zu verstehen, wenn nicht als Evokation. Derselbe - in einem fieberhaften „fast forward“ verdünnte - Körper, würde unerkennbar, unerforschlich werden. Die reduzierte Geschwindigkeit der Bewegung ist also ein kommunikatives Element starker Erkennbarkeit, darauf gerichtet, die Geschwindigkeit des Lebens, die gleichgültige Nachlässigkeit der kommunikativen Übertragung zu unterbrechen: in dieser extremen Bewegung, in ihrem fast unbeweglich-sein, ändert sich das Sein, seine Qualität, in nichts, sondern behält seine vorläufige Eigenschaft für eine länger wahrnehmbare Zeit bei, von der wir Zeugen sind.

Die Kenntnis dieses verworrenen „Selbst“, das in die Abstraktion des digitalen Schwarz-Weiß eingetaucht ist, das heisst, was kaum real existieren kann, stellt uns existentielle Fragen, die ein grundlegender Teil der Analyse des Unbewussten sind. Anonymus dedicated to Vally lässt die individuellen Ansprüche hervortreten, erlaubt aber eine kollektive Vision davon; in diesem Fall ist daher das, was sich verbirgt, nicht dem einzelnen Individuum zugehörig, sondern betrifft die Natur des Menschen. Im Grunde genommen handelt es sich hier nicht darum, die scheinheilige Maske der zynischen Ausübung des Seins zu entschlüsseln, sondern allenfalls darum, das Gegenteil zu enthüllen, dass die Maske des „Verbergens“ ein wesentlicher Teil der Art des menschlichen Seins sei, sich in der Welt zu platzieren.

3. Lediglich bei einer vorläufigen Untersuchung wird man behaupten können, dass diese enorm vergrößerten, bis ins kleinste Detail verlangsamten Einzelbilder der Identität des Realen entzogen wurden. Aber es handelt sich nicht um die realistische Beschreibung eines vorher bestimmten Subjekts, man befindet sich allenfalls einer Umschreibung, einer Übersetzung gegenüber, welche vom Bereich des Realen zur Transzendenz des menschlichen Wesens führt. Von Opalka bis Boltanski hat uns die zeitgenössische Kunst häufig diesen Schmerz bezüglich der Physiognomie aufgezeigt, als ob sie uns deren verborgenste Inhalte erklären wollte. Die Identität ist trotz allem eines der fruchtbarsten Terrains für die zeitgenössische künstlerische Forschung; hier handelt es sich jedoch nicht um den Weg Identität-Fiktion-Darstellung, als vielmehr um eine besondere und intensive Kehrtwendung, vom Allumfassenden der Identität bis zum Besonderen der Einzigartigkeit. Andererseits wird im vernünftigen und syntaktischen Weg von Anonymus dedicated to Vally eine ganz andere Bewertung als die übliche beschrieben: An Üblichem, falls es vorhanden ist, ist nur die Möglichkeit, intellektuelle Verfälschungen in den Falten des Körpers zu lesen, sonst nichts. Eine transversale Identität, die jedoch einer komplexen Art der Menschheit, in ihrem spezifischen, kommunikativen Eifer und in der Konzentration der emotionalsten Zeichen des Seins, angehört; während sie im einzelnen Element, in der individuellen Fragmentierung, fast die Unmöglichkeit einer anderen Synthese zwischen diesem existierenden - ich würde fast sagen - genetischen Sein und der Vielfältigkeit des Anonymen beschreiben zu wollen scheint.

4. Nichts drückt besser eine im voraus festgesetzte Richtung zum Idealen aus als das Schwarz-Weiß. Das Schwarz-Weiß des fotografischen Films war, nach der Entdeckung der Farbe, zweifelsohne künstlerische Freiheit, aber auch eine beabsichtigte künstlerische Einstellung. Das Schwarz-Weiß in der Fotografie vergisst die Nuancen der Farben und der Realität und übernimmt die freiwillige Verminderung des Lichts, als seinen emphatischsten Ausdruck. Die digitale Technologie, mehr als die analoge der Fotografie, übertreibt bis ins Absolute die darstellerische Fiktion der Farbe: vom Weiß über die Grautöne zum Schwarz zersetzt der digitale Film von Anonymus dedicated to Vally die realen Atmosphären, indem er uns eine ganz bestimmte Interpretation der Geschichte und des rezitierenden Individuums gibt. Es sind jedoch ihrer gelebten Identität entzogene und in einen extremen Limbus der Vernunft projizierte Protagonisten. Die Zeichen der Portraits werden hier zu ersten Anzeichen eines idealen Fühlens, einer Welt, in der die Wahrheit sich eng mit der Form verbindet, einer Welt, die Eigentum des Absoluten ist, einer durch ihre beharrliche Ehrlichkeit vergöttlichten Welt. Oder auch zu einer Hölle, in der man nichts verbergen kann.

5. Ich kenne einige der Protagonisten der Portraits, aber von keinem könnte ich die schriftliche, getrennt wiedergegebene Botschaft herausfinden. Die von Anonymus dedicated to Vally ausgesprochenen Sätze bleiben auf alle Fälle getrennt vom rezitierten Kontext, wie wenn eine unüberwindliche Abgrenzung die Bereiche definiert hätte, in denen zu bedeuten, zu handeln ist. Das durch den Ton ausgedrückte Wort wird umgangen, wenn es nicht in seinem reinen und einfachen umgekehrten Geräusch zurückgespult wird; die Schrift taucht dann aus der Ruhe der rezitierenden Gesichter auf, von jenem irrealen Glanz in Weiß und Schwarz wird sie zum Ort des reinen Bedeutens, rein, weil ohne menschliche Bezugspunkte, Personalisierungen und Charaktere. Ihre Ästhetik ist ihre höchste Moral; ihre so deutlichen Zeichen sind tatsächlich die definitive Botschaft von Individuen, die nicht lügen können.

Domenico Scudero

Proceeding # 5

 

1- In "Identificazione di una donna" di Antonioni uno dei momenti di maggiore intensità percettiva era simboleggiato dal paesaggio offuscato dalle nebbie umide, riflettenti l'umore del protagonista. Il luogo della comprensione non è infatti quello del cielo terso, sfavillante di colori, poiché nel nitore si cela il riverbero della luce, la causa stessa del miraggio. Diversamente la luce che filtra la nebbia rispecchia solo se stessa nella sua fissa intensità, come un flash back della memoria; la nebbia è anche mancanza del moto, la parcellizzazione aerea privata di movimento. Nei recenti lavori di Regina Hübner il tema dell'identificazione assume come nella nebbia un rallentamento assoluto. Se la nebbia riflette il cono di luce proiettato da un faro d'automobile, per cui ci si abbaglia della propria stessa luminosità, le immagini dei ritratti realizzati per il ciclo Anonymus sono come questi fasci di luce nella nebbia, abbaglianti per la fonte stessa. Chi vi si trova ritratto non vede un se stesso nell'immagine fotografica, oggettiva dell'obiettivo digitale, ma rimane abbagliato dall'enfasi di ciò che è nella sua propria essenza e non si mai voluti o saputi dire. L'abbacinante verità dei ritratti filmati non è la certezza di una corrispondenza fisionomica ma la trasgressione a quella fissità che il movimento del gesto, nel carattere dei singoli personaggi, imprime alla fisionomia, la propria personalità più recondita. L'interesse di questo ciclo di lavori è molteplice. Da una parte ci ricorda di come la fissità fotografica abbia permesso la percezione visiva di dettagli altrimenti sconosciuti per l'occhio umano; basti ricordare il movimento dei cavalli lanciati al galoppo, rimasto nascosto nella velocità del moto sino ai primi scatti fotografici. Dall'altra parte ci indica come l'immagine oltre che luogo del più immediato significare sia anche un universo ancora sconosciuto alla nostra percezione.

 

2- Il profondo sentimento esistenzialista del lavoro Anonymus nasce dalla sua dimensione corporale assoluta, attraverso cui dipanare l'ordine oggettuale delle personali conoscenze materializzate nel gesto. Il continuo espandersi nel tempo, della forma del corpo, conduce inesorabilmente ad un estraneamento abbacinato dall'idea di un se stesso che non riesce a cogliersi se non come evocazione. Lo stesso corpo rastremato in un febbrile "fast forward" diverrebbe inconoscibile, insondabile. La velocità ridotta del movimento è quindi un elemento comunicativo di forte conoscibilità, proteso a spezzare la velocità del vivere, la noncuranza indifferente della trasmissione comunicativa: in questo movimento esasperato, nel suo essere quasi immobile, l'essere, il suo esercizio qualitativo, non cambia in nulla, ma mantiene la sua qualità temporanea per un tempo maggiormente percepibile, di cui siamo testimoni.

La conoscenza di questo "sé" farraginoso, immerso nell'astrazione del bianco nero digitale, ovvero quanto di meno reale possa esistere, ci pone quesiti esistenziali che sono parte fondamentale dell'analisi dell'inconscio. Anonymus fa emergere queste istanze individuali ma ne consente una visione collettiva; in questo caso infatti ciò che si nasconde non è pertinenza del singolo individuo ma attiene alla natura stessa dell'uomo. In fondo qui non si tratta di decifrare la maschera ipocrita dell'esercizio cinico dell'essere, ma semmai proprio il contrario, svelare come la maschera del "nascondimento" sia parte essenziale del modo di porsi nel mondo dell'essere umano.

 

3- Solo ad un primo esame si potrà sostenere che questi fotogrammi ingigantiti, rallentati sino al minimo dettaglio siano sottratti all'identità del reale. Ma non si tratta della descrizione realistica di un soggetto preordinato, semmai ci si trova al cospetto di una traslitterazione, di una traduzione che dal campo del reale conduce al trascendente della natura umana. Da Opalka a Boltanski l'arte contemporanea ci ha spesso segnalato questa afflizione nei confronti della fisionomia come a volerne spiegare i contenuti più reconditi. L'identità è nonostante tutto, uno dei terreni più fertili per la ricerca contemporanea; qui tuttavia non si tratta del percorso identità_finzione_rappresentazione quanto piuttosto di un particolare e intenso rivolgimento di fronte, dal totalizzante dell'identità sino al particolare dell'unicità. D'altra parte nel percorso ragionevole e sintattico di Anonymus si descrive tutt'altra valutazione che quella comune: qui di comune, se c'è, è solo la possibilità di leggere travisamenti intellettivi nelle pieghe del corpo, null'altro. Una identità trasversale che è però di un genere complesso dell'umanità, nel suo specifico ardore comunicativo e nella concentrazione dei segni più emozionali dell'essere; mentre invece nel singolo elemento, nella frammentazione individuale, sembra quasi voler descrivere l'impossibilità di una sintesi differente fra questo essere esistente, direi quasi genetico, e la molteplicità dell'anonimo.

 

4- Nulla più del bianco nero indica una direzionalità prefissata verso l'ideale. Il bianco nero della pellicola fotografica, dopo la scoperta del colore, era senz'altro una licenza poetica ma anche una voluta visione artistica. Il bianco nero fotografico dimentica le sfumature del colore e della realtà assumendo la volontaria rarefazione della luce, la sua esclamazione più enfatica. La tecnologia digitale, più che quella analogica della fotografia, esaspera sino all'assoluto la finzione rappresentativa del colore: dal bianco al nero attraversando le tonalità del grigio il filmato digitale di Anonymus corrode le atmosfere reali fornendoci una chiave di lettura assoluta della storia e dell'individuo recitante. Ma sono comunque protagonisti sottratti alla loro identità vissuta e proiettati in un limbo estremo della ragione. I segni dei ritratti diventano qui bagliori di un sentire ideale, di un mondo in cui la verità si coniuga strettamente con la forma, un mondo che è proprietà dell'assoluto, un mondo deificato dalla sua implacabile onestà. O anche un inferno in cui nulla può essere nascosto.

 

5- Conosco alcuni dei protagonisti dei ritratti, ma di nessuno potrei individuare il messaggio scritto, riportato separatamente. Le frasi pronunciate da Anonymus rimangono comunque separate dal contesto recitato, come se una demarcazione insormontabile avesse definito gli ambiti in cui significare, in cui agire. La parola espressa dal suono è elusa, quando non riavvolta nel suo puro e semplice rumore capovolto; la scrittura emerge allora dal silenzio dei volti recitanti, da quel bagliore irreale in bianco e nero si fa luogo di un significare puro perché privo di referenti umani, di personalizzazioni e caratteri. La sua estetica è la sua più alta morale; i suoi segni così distinti sono infatti il definitivo messaggio di individui che non possono mentire.